Townhall mit KI-Avatar: Wer spricht den Einwand aus?
Kurz gesagt
An einer internen Townhall spielt der KI-Avatar den Advocatus Diaboli. Er bringt die Einwände vor, die niemand aus der Belegschaft unter eigenem Namen vertreten will, und die Geschäftsleitung antwortet vor allen. Die Einwände können aus Fragen stammen, die Mitarbeitende vorher ohne Namen eingereicht haben.
Unsere Empfehlung
Stand 2. Oktober 2026
01Einwand
Die Frage ohne Namen, laut gestellt
Die unbequeme Frage bleibt an vielen Townhalls liegen, weil sie jemand mit Namen und vor allen stellen müsste. Mit einem KI-Avatar auf der Bühne nimmt sie einen anderen Weg. Die Mitarbeitenden reichen ihre Fragen vorher ohne Namen bei Ihnen ein. Was am häufigsten kommt, schreiben Sie als Einwand ins Briefing. Auf der Bühne ruft die Moderation den KI-Avatar auf, und er trägt den Einwand vor.
Zum Beispiel an einer ausgedachten Townhall:
Beispiel
- ModerationAlbert, zum neuen Planungssystem kamen die meisten Fragen ohne Namen. Ab Januar sollen alle Teams damit arbeiten. Was spricht dagegen?
- AlbertAlso. Wer das gefragt hat, steht nicht in meinem Briefing, nur der Einwand. Der Aussendienst hat das alte System erst letztes Jahr bekommen. Für ihn ist das die zweite Umstellung in kurzer Zeit. Wer trägt die Stunden, die das kostet?
- GeschäftsleitungDer Einwand ist berechtigt. Der Aussendienst bekommt dafür im Dezember zwei Schulungstage.
Die Antwort geht an den ganzen Aussendienst. Wer die Frage eingereicht hat, bleibt im Saal sitzen wie alle anderen.
02Briefing
Wer schreibt ihm die Einwände?
Das Briefing schreiben Sie: das Thema, wer auf der Bühne sitzt und welche Position er vertritt. Aus den eingereichten Fragen wählen Sie die Einwände, die er vorbringen soll. Übertragen Sie den Einwand, nicht die Frage im Wortlaut. Eine Einzelheit, die nur auf eine Person passt, etwa ein Team mit drei Leuten, verrät im Saal, wer gefragt hat. Die Schärfe darf bleiben. Auf der Bühne widerspricht er und nimmt Stellung, auch zur Antwort der Geschäftsleitung, wenn die Moderation ihn danach fragt.
Die Geschäftsleitung darf das Briefing vorher lesen. Das nimmt dem Einwand wenig, denn antworten muss sie trotzdem vor der ganzen Belegschaft.
03Charaktere
Die Vorlage der Geschäftsleitung bestimmt den Charakter
Für eine Townhall empfehlen wir Albert, Vera oder Ken. Tina, die Erklärerin, passt hier weniger. An einer Townhall erklärt die Geschäftsleitung selbst, vom KI-Avatar braucht der Saal den Einwand.
- Entscheid noch offen
Albert
Eine Entscheidung steht noch zur Diskussion, etwa eine Reorganisation oder ein neuer Standort. Er bezieht die Gegenposition.
- Ziele ohne Herkunft
Vera
Für Ziele und Kennzahlen der Geschäftsleitung, bei denen im Saal niemand weiss, woher sie stammen. Sie fragt nach dem Beleg.
- Betroffene nicht im Saal
Ken
Ein Entscheid trifft Teams oder Standorte, die nicht im Saal sitzen. Für wen er spricht, legt Ihr Briefing fest.
04Mundart
Ihre Belegschaft spricht Mundart, er nicht
An einer Townhall in der Deutschschweiz reden Geschäftsleitung und Belegschaft oft Schweizerdeutsch. Keiner unserer KI-Avatare versteht Mundart. Sie arbeiten vorerst nur auf Hochdeutsch, und diese Grenze planen Sie am besten vor jeder anderen ein.
Der Teil der Townhall mit dem KI-Avatar läuft deshalb auf Hochdeutsch: der Aufruf der Moderation, sein Einwand und die Antwort der Geschäftsleitung, auf die er eingehen soll. Hat die Chefin eben noch auf Schweizerdeutsch die Zahlen des Quartals erklärt, wechselt sie für ihre Antwort an ihn ins Hochdeutsche. Davor und danach darf Mundart gesprochen werden, nur kann er später nicht aufgreifen, was dort gesagt wurde.
05Saalfragen
Fragen aus dem Saal: Mikrofon oder Moderation?
Standardmässig hört der KI-Avatar nur die Bühne: das Mikrofon der Moderation auf einem eigenen Kanal, die übrigen Bühnenmikrofone über einen Aux-Send. Was die Geschäftsleitung auf der Bühne antwortet, hört er also mit. Eine Wortmeldung aus dem Saal erreicht ihn nur, wenn Ihre Tontechnik ein Saalmikrofon auf diesen Aux-Send legt.
An einer Deutschschweizer Townhall bringt das wenig, denn aus dem Saal wird meist in Mundart gefragt. Wir raten zum Weg über die Moderation. Sie wiederholt die Frage auf Hochdeutsch, mit seinem Namen davor, oder tippt sie auf dem Tablet ein. Das kostet jedes Mal einen Moment, bei vielen Wortmeldungen geht deshalb nur eine Auswahl an ihn.
Der Weg hat für die Belegschaft noch eine zweite Seite. Was jemand in ein Saalmikrofon auf dem Send sagt, wird in der Cloud mitgeschrieben und liegt danach im Transkript auf unserem Laptop. Auch das Sprachmodell in der Cloud, das seine Antworten formuliert, bekommt den Text. Läuft die Frage über die Moderation, steht nur deren Fassung darin. Sagen Sie der Belegschaft vor dem Anlass, welcher Weg gilt.
06Stopp
Wofür darf die Moderation ihn stoppen?
Die Moderation liest seinen Einwand auf dem Tablet, bevor der Saal ihn hört, und kann ihn abbrechen. Stoppt sie ihn an einer Townhall, sieht das die ganze Belegschaft. Schnell entsteht der Eindruck, die Geschäftsleitung wolle den Einwand nicht hören.
Legen Sie deshalb mit der Geschäftsleitung fest, wofür gestoppt wird, bevor Sie die Fragen einsammeln. Ein Grund ist etwa ein Einwand, an dem man im Saal doch erkennt, wer die Frage eingereicht hat. Ein unbequemer Einwand ist keiner. Schreiben Sie diese Abmachung in den Aufruf an die Belegschaft. Wer seine Frage ohne Namen einreicht, weiss dann, dass der Einwand nicht mitten im Satz endet, weil er der Geschäftsleitung unangenehm ist.


