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Darf ein KI-Avatar am Kundenevent gegen das eigene Produkt sprechen?

Kurz gesagt

Ja, wenn es so im Briefing steht. Darin legen Sie fest, ob der KI-Avatar für Ihr Produkt spricht oder als Kritiker. Die Moderation ruft ihn beim Namen auf, wenn das Gespräch diese Stimme braucht. Er erfindet dabei keine Zahl, auch keine, die Ihrem Produkt nützen würde.

Stand 2. Oktober 2026

01Position

Auf welcher Seite er steht, schreiben Sie vorher auf

Angenommen, Ihre Produktchefin stellt am Kundenanlass eine neue Funktion vor. In der ersten Reihe sitzen die Kunden, die sie kaufen sollen. Neben dem Podium ist auf der Leinwand ein KI-Avatar zu sehen, und für wen er spricht, haben Sie vor dem Anlass entschieden.

  • Position

    Für das Produkt

    Er verteidigt die neue Funktion gegen Einwände aus der Runde und spricht die Zweifler mit Namen an. Dafür braucht das Podium Leute, die widersprechen. Hat er nichts zu verteidigen, klingt sein Lob nach Werbung.

  • Gegenposition

    Als Kritiker

    Er stellt die Fragen, die Ihre Kundschaft sonst erst in der Pause stellt, und hakt nach, wo das Produkt etwas verspricht. Die Antworten gibt Ihr Produktteam, während die Kundschaft zuhört.

02Zahlen

Keine erfundene Zahl, auch keine günstige

Am Kundenevent wäre die bequemste Zahl eine, die das Produkt gut aussehen lässt. Der KI-Avatar liefert sie nicht, auch wenn er für Ihr Produkt spricht. Er ist angewiesen, keine Zahlen und Studien zu erfinden und zu sagen, wo sein Wissen aufhört.

Eine Anweisung ist noch keine Garantie. Nennt er trotzdem eine Zahl, liest die Moderation sie auf dem Tablet, bevor sie im Saal zu hören ist. Stoppt sie ihn dort, erreicht die falsche Zahl Ihre Kundschaft nicht, und niemand muss sie beim Apéro wieder einfangen.

Die Zahlen, die am Anlass fallen sollen, bringen Ihre Leute auf die Bühne, am besten mit Quelle. Vertritt der KI-Avatar das Produkt, argumentiert er mit dem, was dort gesagt wird.

03Beispiel

Ein Beispiel: Vera prüft die Zahl der Produktchefin

Ein erfundenes Softwarehaus stellt seinen Kunden eine neue Funktion vor. Im Briefing steht für Vera die Position einer kritischen Kundin.

Beispiel

  1. ProduktchefinMit der neuen Funktion spart ein Team rund einen Arbeitstag pro Monat.
  2. ModerationVera, überzeugt dich das?
  3. VeraHm. Ein Arbeitstag ist eine schöne runde Zahl. Wer hat das gemessen, und bei wie vielen Teams?
  4. ProduktchefinBei acht Pilotkunden, über drei Monate.
  5. ModerationDann frage ich eine Pilotkundin hier auf dem Podium. Stimmt der Arbeitstag bei Ihnen?
  6. PilotkundinIn der Buchhaltung kommt das ungefähr hin. Im Verkauf merken wir bisher wenig davon.

Eine eigene Zahl nennt Vera nicht, weil sie keine hat. Ihre Frage genügt, damit die Moderation weitergibt.

Die Antwort, die im Saal zählt, gibt die Pilotkundin, und sie ist genauer als die Zahl der Produktchefin: ein Arbeitstag in der Buchhaltung, wenig im Verkauf. Die Kunden in der ersten Reihe hören das von jemandem, der die Funktion selbst im Einsatz hat.

04Charaktere

Vera für die Folie mit Zahlen, Ken für die Leute im Saal

Für Kundenevents empfehlen wir Vera, Albert, Ken und Tina gleichermassen. Welcher passt, hängt an der Position und an dem, was Sie präsentieren.

  • Kritik

    Vera

    Wenn Ihre Präsentation mit Zahlen wirbt. Sie fragt, wer gemessen hat und bei wem.

  • Für oder gegen

    Albert

    Wenn jemand dem Produktteam ernsthaft widersprechen soll, oder das Produkt ebenso deutlich verteidigen.

  • Kundschaft

    Ken

    Wenn die Sicht der Kundschaft im Saal auf die Bühne soll, nicht nur die der Leute auf dem Podium. Für wen er spricht, etwa für kleine Betriebe oder die IT-Abteilung, steht im Briefing.

  • Produkt

    Tina

    Wenn der Saal erst verstehen muss, was die Produktchefin eben vorgestellt hat. Sie erklärt die neue Funktion für alle, die nicht aus der Entwicklung kommen.

05Vorbereitung

Der wichtigste Satz im Briefing ist die Position

«Kritische Kundin, die neue Funktionen an Belegen misst» ergibt ein anderes Gespräch als «Kundin, die den Umstieg scheut». Thema und Podium gehören auch ins Briefing, aber diese eine Zeile entscheidet, wonach der KI-Avatar fragt.

Ob er für das Produkt spricht oder dagegen, entscheiden Sie am besten mit der Wahl des Charakters, denn davon hängt ab, welcher der vier passt. Ausformulieren dürfen Sie die Zeile später, im Briefing. Die Gäste auf dem Podium wählen Sie aber schon passend zu dieser Richtung. Spielt der KI-Avatar den Kritiker, sitzt dort jemand aus dem Produktteam, der die eigenen Zahlen samt Quelle kennt. Spricht er für das Produkt, braucht er eine Kundin, die zweifeln darf.

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