AURA51.aiBetaPilot anfragenAnfragen

Townhall-Meeting: Wie auch die kritischen Fragen kommen

Kurz gesagt

Im Townhall-Meeting tritt die Geschäftsleitung vor die ganze Belegschaft, berichtet über die Lage und beantwortet Fragen. Kritische Fragen kommen dort selten von selbst, denn die Fragenden sprechen vor ihren eigenen Vorgesetzten. Dagegen helfen anonyme Fragen, die andere unterstützen können, und eine Moderation, die bei ausweichenden Antworten nachhakt.

Stand 2. Oktober 2026

01Schweigen

Die Vorgesetzten sitzen auf der Bühne

In einer Interviewstudie mit 40 Beschäftigten hatten die meisten schon einmal ein Anliegen, das sie umtrieb, bei Vorgesetzten nicht angesprochen. Einige mochten mit ihren Vorgesetzten über kein einziges Anliegen offen reden. Als häufigsten Grund nannten die Befragten die Angst, negativ gesehen oder abgestempelt zu werden und damit Beziehungen zu beschädigen, die ihnen wichtig waren (Milliken, Morrison und Hewlin, 2003).

An einer Townhall sitzt die oberste Führung auf der Bühne, und die Frage fällt vor der ganzen Belegschaft. Für die Person, die fragt, steht mehr auf dem Spiel als im Gespräch unter vier Augen. Die Stille nach «Gibt es Fragen?» sagt deshalb wenig darüber, ob es Fragen gibt.

02Herkunft

In Massachusetts redet man im Stehen, mit Namen und Adresse

Der Name erinnert an Neuengland, und das Town Meeting dort gleicht der Gemeindeversammlung in der Schweiz. Es ist seit über 300 Jahren in Gebrauch und bis heute in den meisten Towns von Massachusetts das Parlament.

Der Leitfaden des Staates beschreibt, wie man dort das Wort ergreift. Man steht auf und wartet, bis der Moderator einen aufruft. Dann nennt man Namen und Adresse.

Die Townhall im Unternehmen kennt dasselbe offene Mikrofon, mit einem Unterschied. Im offenen Town Meeting stimmen die Fragenden am Ende selbst ab. In der Firma fragen Angestellte jene Leute, die über ihre Stelle entscheiden.

03Ablauf

Ein Ablauf, der die Fragen einplant

Ob am Ende jemand fragt, entscheidet sich schon bei der Begrüssung. Die vier Schritte hier sind ein Beispiel.

  1. 01

    Fragewege zeigen

    Die Moderation nennt das Ziel und zeigt, wie man Fragen stellen kann, bevor die erste Folie kommt. Kann man eine Frage schon während der Präsentation eintippen, muss man sie sich nicht bis zum Schluss merken.

  2. 02

    Das Problem selbst nennen

    Die Geschäftsleitung berichtet über Ergebnisse und Entscheide und nennt auch, was schlecht läuft. Spricht sie ein Problem selbst an, muss niemand im Saal der Erste sein, der es erwähnt.

  3. 03

    Die meistunterstützte Frage zuerst

    Die Moderation beginnt mit den Fragen, die am meisten Unterstützung haben, auch wenn sie unangenehm sind. Hinter einer Frage mit vielen Stimmen steht mehr als eine Person.

  4. 04

    Offenes terminieren

    Was offen bleibt, bekommt einen Termin und eine zuständige Person. Die Antwort kommt auf demselben Weg zurück, auf dem die Frage kam.

04Formate

Jedes Frageformat hat seinen Preis

Die Formate lassen sich mischen, etwa so: Die Fragen kommen anonym herein, und eine externe Moderation stellt sie der Geschäftsleitung.

Fragen vorab
Die Fragen kommen vor dem Treffen, die Geschäftsleitung kann Zahlen nachschlagen. Fragen, die erst die Präsentation auslöst, erfasst dieses Format nicht.
Offenes Mikrofon
Man fragt mit Namen, wie im Town Meeting, stimmt aber am Ende nicht mit ab. Dafür hat die Frage Gewicht, weil ein Mensch dahintersteht.
Anonyme Fragen
Fragen kommen ohne Namen über ein digitales Werkzeug, und andere können sie unterstützen. Sieht nur die Moderation die Liste, entscheidet sie mit, welche Frage in den Saal kommt. Zeigt die Leinwand die Liste für alle, fällt keine still weg.
Moderierte Fragen
Die Moderation sammelt und bündelt die Fragen und stellt sie selbst. Sie kann nachhaken, wo eine Antwort ausweicht, sofern sie frei genug ist gegenüber der Geschäftsleitung; eine externe Moderation hat es dabei leichter.
Kamingespräch
Die Moderation befragt auf der Bühne eine Person aus der Geschäftsleitung, im Englischen «Fireside Chat», und der Saal hört zu.

05Vorab-Fragen

Wie kommen Vorab-Fragen ungeglättet auf die Bühne?

Bei den Fragen vorab liegt die Arbeit vor dem Anlass. Ob die unbequemste davon im Saal ankommt, entscheidet sich beim Aufruf und beim Bündeln. So kann es gehen.

  1. 01

    Den Aufruf mit Frist verschicken

    Der Aufruf nennt das Thema und den Tag, an dem die Sammlung schliesst, und er sagt, wer die Absender sehen kann. «Anonym» überzeugt erst, wenn weder Geschäftsleitung noch Moderation Namen sehen und der Aufruf das festhält.

  2. 02

    Ausdrücklich nach Einwänden fragen

    Bitten Sie im Aufruf auch um Kritik, etwa mit «Was halten Sie an der neuen Arbeitszeitregel für falsch?». Dann steht schwarz auf weiss, dass Widerspruch erwünscht ist.

  3. 03

    Bündeln, ohne zu glätten

    Fragen zum selben Punkt werden zu einer. Sie behält die schärfste Formulierung und nennt, wie viele Leute sie gestellt haben. Beim Glätten wird aus «Warum wurde der Standort ohne uns entschieden?» schnell «Wie geht es mit dem Standort weiter?», und die Geschäftsleitung beantwortet eine Frage, die niemand gestellt hat.

  4. 04

    Die Liste weitergeben, die Auswahl behalten

    Die Geschäftsleitung bekommt die gebündelte Liste vorher. Welche Fragen auf die Bühne kommen, entscheidet die Moderation.

  5. 05

    Eine Stimme bestimmen

    Meist liest die Moderation die eingereichte Frage vor und hakt nach. Ein KI-Avatar trägt den häufigsten Einwand vor, wenn der Einwand in seinem Briefing steht und die Moderation ihn beim Namen aufruft. Unsere tun das vorerst auf Hochdeutsch.

Fangen Sie beim Aufruf an. An ihm erkennt die Belegschaft lange vor der Townhall, ob unbequeme Fragen erwünscht sind.

Quellen

  1. Secretary of the Commonwealth of Massachusetts: Citizen’s Guide to Town Meetings (Englisch)
  2. Milliken, Morrison, Hewlin (2003): An Exploratory Study of Employee Silence: Issues that Employees Don’t Communicate Upward and Why. Journal of Management Studies 40 (6), 1453–1476

Mehr in Wissen